Kapelle Gibelflüh

Für die Bewohner des Weiler Gibelflüh - etwas abseits in ländlicher Umgebung gelegen - galt es seit Urzeiten die kirchlichen Gottesdienste in der Kirche von Hochdorf zu besuchen. Der Weg nach Hochdorf - zu Fuss oder eventuell mit Ross und Wagen - war zur damaligen Zeit beschwerlich und zeitaufwendig. Ein Fussmarsch dauerte ca. 1 1/4 Std. und der Pfarrer von Hochdorf erhoffte, dass alle "vollzählig" am Gottesdienst dabei sind!!! Bis 1812 waren die "Gibelflüher" kirchengenössig der "alten" Pfarrei Hochdorf zugeteilt und abgabenpflichtig.

Diese Beschwernisse bewog die Gebrüder Hansjörg und Hans Mattmann vom "Lochhof" und weitere drei Hofbesitzer - Hans-Jakob Mattmann, Obergibelflüh, Heinrich Mattmann, Wald und Hans-Caspar Mattmann, Sulzberg - gemäss eines Stiftungsbriefes im Jahre 1682 eine Kapelle zu bauen. Am 7. Mai 1684 weihte der Bischof des Bistums Konstanz, Georg Sigismund Müller, die Kapelle zu Ehren der Heiligen Antonius von Padua und Franz Xaver ein.

Mit dem damaligen Pfarrer von Hochdorf, Niklaus Uttenberg, wurden Satzungen vereinbart, die die Tätigkeit des Leutpriesters und des Kapellenpflegers regelten. Dem Landvogt von Rothenburg, damals Josef an der Allmend, musste alle vier Jahre die Rechnung vorgezeigt werden. 1686 erlaubte der päpstliche Nuntius in Luzern, Jacob Cantelmus, die Errichtung der Skapulier- oder Karmelitenbruderschaft.

Kapelle und Schule waren für die damaligen Bewohner des weit abgelegenen Weilers wichtige Eckpfeiler. So unterhielten sie auch einen "Schuolmeister" für ihre Kinder. Im Kapellenbuch sind bereits anno 1685 Auslagen dafür ausgewiesen. Bei der bischöflichen Visitation von 1710 wurde beklagt, dass in einigen Dorfschaften bald niemand mehr lesen und schreiben könne! Des weiteren sind im Kapellenbuch verschiedene Frühmesser aktenkundig, die selbst Schule gaben. von 1790 bis 1802 war laut Staatskalender Ulrich Zingg Frühmesser und unterrichtete zugleich etwa 26 Kinder. Er wurde danach Kaplan in Eschenbach.

1791 erfolge eine Vergrösserung der Kapelle zum heutigen Erscheinungsbild. Im Innern wurde sie mit verschiedenen sakralen Gegenständen ausgestattet. Seit dem Bestehen der Kapelle wurden immer wieder Renovationsarbeiten ausgeführt. 1870 - 1874, und im Jahr 1902 erhielt die Kapelle anstelle des Barocktürmli den heutigen, etwas wuchtigeren Turmaufbau, bedingt auch dadurch, dass zwei grössere Glocken - aus der Giesserei Rüetschi in Aarau stammend - gespendet wurden. Eine ältere Glocke aus dem Jahr 1761 ist immer noch vorhanden. Im gleichen Jahr wurde zudem von der Firma Mäder in Andelfingen eine Kirchenuhr angeschafft.

 

Anlässlich der Renovation von 1954 - 1957 wurden zwei Seitenaltäre aus der Kapelle entfernt. Die letzte umfangreiche Erneuerung erfolgte im Jahre 1991/1992 in Zusammenarbeit mit dem Architekten Paul Arnold aus Sempach. Mit der neugestalteten Umgebung hat die Kapelle viel an Lieblichkeit dazu gewonnen. Diese Ausstrahlung überträgt sich auch vermehrt wieder auf junge Frauen und Männer, die ihr Ehebündnis mit einer Hochzeitsmesse in der Kapelle feiern.

Unser Kirchlein zu Gibelflüh mit seiner baulichen und historischen Bedeutung hat es verdient, dass zu ihm Sorge getragen wird.

Dieser Text stammt von Joseph Bühlmann (Kapelle Gibelflüh, 1992), aus dem Archiv der Pfarrei Ballwil.

Weitere Einzelheiten über die Kapelle Gibelflüh können in der Festschrift zur Gesamtrenovation von 1992 nachgelesen werden. Diese kann beim Pfarramt bezogen werden. Beachten Sie auch die Literaturhinweise unter "Geschichte".

Für Reservationen der Kapelle wenden Sie sich bitte an das Pfarramt. Sakristanin ist Frau Klara Schurtenberger-Burger, Telefon 041 448 32 75. Die Familie Schurtenberger stellt einen Raum für Apéros zur Verfügung (mit gedecktem Vorplatz).

Reglement für die Benutzung

Benuetzung-der-Kapelle-fuer-Konzerte.pdf